Weihnachten

Ich erinnere mich dran, wie ich als Kleinkind Weihnachten kennenlernte: Der Tannenbaum mit Lametta, bunt glänzenden Kugeln und hell schimmernden Kerzen geschmückt; der Sank-Nikolaus der mich besuchte und aus seinem schwarz-goldenen Buch meine kindlichen Untaten, aber auch Gelungenes vorlas, das kleine Gedicht, welches ich vorzutragen hatte – ich durfte mich dazu auf seine Knie setzen…

Dann die Geschenke! Ich wurde jedes Jahr verwöhnt nach Strich und Faden…

Und wie wir jede Weihnachten den Kanon „Ehre sei Gott in der Höhe“ zu singen versuchten, vierstimmig und immer, wirklich immer in Gelächter endeten, weil es wieder nicht gelang!

Klavier- und Flötenspiel, gemeinsam mit meinem Bruder, das klingende Engelsgeläut und das Weihnachtsgebäck meiner Mutter. Überhaupt! Ich spürte, wie sehr sie Weihnachten liebten.

Als ich älter wurde, nagte zunehmend der Schmerz und das Bewusstsein in mir, dass da Menschen sind, welche während wir feierten und schlemmten, hungerten und in Krieg, Elend, Kälte, Angst und Not die Tage verbringen mussten… Mir verschlug es den Appetit und den Anderen die Stimmung… Sie empfanden meine Gedanken als Undankbarkeit gegenüber ihren liebevollen Vorbereitungen – ich kann das verstehen.

Trotzdem! Auch heute sind Kummer, Elend und Not sichtbar in unserer Gesellschaft und auf der ganzen Welt! Es seien – so lese ich – in der Geschichte der Menschheit noch nie so viele Menschen auf der Flucht gewesen.

Statt Weihnachten nur in einem kitschig-sentimentalen, rein familiären Privatanlass abdriften zu lassen, oder bloss als schöner Höhepunkt in der Christnachtfeier, mögen wir uns viel mehr zurückerinnern an die Geschehnisse damals, als Gott Mensch wurde, uns Menschen zu erlösen! Zu erlösen aus Kummer und Not, um uns zu beschenken mit Freude und Vertrauen in sein Handeln zutiefst in unseren Herzen!

Auch Er mit seiner Familie auf der Flucht, auch Er mit seinen Eltern auf der Suche nach einer Unterkunft; auch Er ein Stiefkind in einer Patchwork-Familie, seine Mutter verleumdet als Ehebrecherin…

Seine Geburt wurde zuerst den einfachsten Menschen verkündet: den Hirten auf dem Feld. Er selber kümmerte sich zeitlebens um die Menschen, welche in Nöten waren: die Mühseligen und Beladenen, die in Schuld verstrickten, die Gescheiterten, Gestrandeten, die Fremden.

Brechen wir mit der Tradition von Weihnachten als Big Business, reine Familienfeier und Privatsache, oder als Gelegenheit, die Flucht zu ergreifen und die Tage in fernen Ländern zu verbringen – sondern machen uns auf, die geweihte Nacht mit der alleinerziehenden Nachbarin und ihren Kindern, dem einsamen Mann am Ende der Strasse, mit der psychisch erkrankten Frau vom Haus gegenüber und in der Asylunterkunft zu feiern!

Weihnachten als gemeinsames Fest der Stadt, der Strasse mit gemeinsamem Essen, gemeinschaftlichem Kirchgang – ein Fest der Fröhlichkeit – denn die Botschaft von Weihnachten lautet: „Denn euch ist heute der Heiland geboren“! Er, der Retter der Menschheit – wie nötig haben wir IHN gerade in der heutigen Zeit!

Er, der selber das Licht der Welt, der gangbare Weg in jeder unserer Lebenslagen, die Wahrheit und die Klarheit und dass Leben ist! Pralles Leben! Erfülltes Leben!

Wir dürfen jederzeit aus dieser Quelle schöpfen und mit allen Menschen teilen - da herrscht kein Mangel!

Nur durch Teilen werden wir selber erfüllt und reich beschenkt. Machen wir uns auf und begegnen einander wahrhaftig, denn auch heute gilt: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die ALLEM Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Und wie der Prophet Jesaja weissagte: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; Er heisst Wunderrat, starker Held, Ewig-Vater und – Friedefürst“! Halleluja! IHM sei Lob und Dank in Ewigkeit für seine Gnade und Hilfe! Gelobt sei seine Barmherzigkeit! Amen.

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