In der Schlucht und Einsiedelei „Zur heiligen Frenen“

Mein Leben sei einfach und schlicht in jedem Bereich, sei es Essen, Kleidung, Erholung; da ich bei dieser Arbeitsbelastung nicht ganztägig fasten kann, verzichte ich auf ein Abendbrot; dass ich mich nicht so oft und so lange ins Schweigen zurückziehen kann, ist auch ein Fasten, ein Verzicht für die Welt, die Menschen, ein Opfer als Hingabe an meinen Herrn und Schöpfer, dass ER meine Gebete erhören und hier in der Schlucht mächtig wirken möge. Ich ziehe mich NACH MOEGLICHKEIT ins Schweigen und die Stille zurück – Menschen mit Anliegen haben Vorrang; Jesus sei mir Vorbild in ALLEM. Ich ordne mich und meine Bedürfnisse allezeit in die Aufgabe hier in der Einsiedelei und dem Dienst am Mitmenschen ein, unter Berücksichtigung meiner Lebensweise des „ora et labora“ – „einatmen und ausatmen“, die rechte Balance nach dem Vorbild Jesu Christi.

Die Einsiedelei St. Verena verlangt zum heutigen Zeitpunkt nach einer „franziskanischen Einsiedlerin“: St. Verena – das franziskanische Ein-Frau-Kloster!

Mein Selbstverständnis als Christin: ich gehöre zu den Menschen - ihnen zu dienen mit Gebet und offenem Herzen und Ohren. Das Schweigen, die Stille diene dazu, die innere Stille, das innere Schweigen zu erlernen und zu bewahren, um eine Hörende/Zuhörende zu werden und zu bleiben: Hörend und Zuhörend zu Gott – Hörend und Zuhörend meinem Mitmenschen gegenüber.

Schweigen, Einkehr und Einsamkeit als Selbstzweck ist nicht Christo zentrisch; deshalb erscheint mir die Pflege der Gastfreundschaft als Teil der eremitischen Spiritualität zentral.

In der Einsiedelei St. Verena tut es not, da zu sein, zuhörend, Rat gebend, betend. In dieser Einsiedelei ist das Teilen der Stille und Einsamkeit nur ein ganz kleiner Teil geworden, durch die starke Frequentierung der vielen unterschiedlichen Besucherinnen und Besucher. Deshalb bleiben die Kapellen mindestens im Januar und Februar geschlossen, damit der Ort und die Einsiedlerin in diesen beiden Wüstenmonaten durchatmen und regenerieren können, in Schweigen, dem Rückzug, der inneren Einkehr, tanken aus der Quelle des Lebens, welche Christus ist.

Da der Sonntag in der Einsiedelei ein vielbesuchter Tag ist und oft Anlässe in der Martinskapelle stattfinden, lasse ich mich am Montag und Dienstag erfüllen in der Hingabe zu Gott. Nach Möglichkeit besuche ich die Heilige Messe in der Kirche St. Niklaus; das ist nicht immer ganz einfach zu bewerkstelligen, da mich oft schon am Vormittag Menschen besuchen; es wirkt befremdend, wenn dann die Einsiedlerin die Einsiedelei verlässt und die Menschen doch bereits auf sie warten in der Hoffnung auf Begegnung und Gespräch. Auch dieser Verzicht, dieses „Lassen“, opfere ich auf im fastenden Sinne, möge dadurch Gott meine/unsere Gebete erhören und segnen. Wie oft erhört ER meine Stossseufzer: „Herr, mein Gott, schenke du mir Schweigen, Stille, Gottesdienst in mir“.

Er ist der Geber – ich bin die Beschenkte. Ich muss und darf mir alles schenken lassen, das macht mich gelassen und froh, denn die Einsiedelei St. Verena hat ihre eigenen Herausforderungen, denen sich die Einsiedlerin hier stellen muss; die Einsiedelei hat sich stark verändert in den letzten Jahren, dem gilt es zu begegnen. St. Verena ist ein Ort der Begegnung und der Kraft, und nur selten mehr ein Ort der Stille. Menschen kommen hierher aus unterschiedlichen Gründen: die Idylle der Schöpfung, die Kapellen, der Ort der Kraft – mein persönlicher Kraftort ist das Allerheiligste in der Martinskapelle. Darauf weise ich die Besuchenden auch immer wieder hin. Meine Aufgabe sehe ich darin, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind, in Akzeptanz ihres Glaubens und Gewissens. Und doch immer wieder davon zu erzählen, was Christus in Seiner Liebe und Barmherzigkeit in meinem und anderen Leben tut.

Er ist die Quelle der wahren Kraft und Liebe, aus Ihm können wir endlos schöpfen und empfangen, Ihn dürfen wir um alles bitten und darauf vertrauen, dass Er gerne gibt.

„Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet: Denn wer bittet der empfängt: wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Kind eine Schlange gibt; wenn es um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn es um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.“
Lukas 11, 9-13

Meine Kleidung sei schlicht. Ich trage während des Frühlings und der Sommermonate blau (wegen der Himmel) und im Herbst und Winter schwarz (wegen der Dunkelheit und Traurigkeit in unseren Herzen, möge Gott sie wandeln in Licht und Freude); das Kreuz das ich trage hat eine Silberschmiedin aufgrund meiner Zeichnung geschmiedet: das Kreuz als Bekenntnis zu Christus (es ähnelt einem keltischen Kreuz – die Einsiedelei war ein keltischer Ritusplatz – die Heilige Verena gilt als Brückenbauerin zwischen keltischer und christlicher Religion, so möge ich Brückenbauerin sein zwischen Esoterik, den verschiedenen Weltreligionen und unserem Glauben an Christus, dem Auferstandenen), die runde Scheibe als Sinnbild der Sonne, weil Christus meine Sonne sei und das Zeichen der Hostie; die Kreise – weil mein Leben Kreise ziehen möge; die Felsstruktur, weil Gott mein Fels und meine Burg, mein Fundament ist; das Perlmuttstück – siehe die eingangs erwähnte biblische Erzählung vom Kaufmann aus dem Zweiten Testament : Matthäus 13,44-46.

Den Ring trage ich als Zeichen der Verlobung meines Lebens mit dem Leben Christi; die Wellenform zeige das „Ineinander übergehen“ unser Beider Sein. Im Ring ist eingraviert: JHS – JESUS HOMINUM SALVATOR – Jesus Retter der Menschheit und die Daten meiner Versprechen an IHN, 25.März 2011 Verkündigung des Herrn; „benedicta tu in mulieribus“, wegen meines neuen Namens Benedikta; 8.Dezember 2014 Maria Empfängnis; ich möchte Empfangende sein, Reinheit empfangend. Im Verlauf dieser ersten drei Jahre als Eremitin in neuer Kleidung und mit neuem Namen wurde mir die Immaculata zu meinem grossen Erstaunen zur geliebten Begleiterin – Staunen darüber, weil ich als Konvertitin Maria ganz neu kennenlernte und die Unbefleckte Empfängnis für mich ja gerade eine Reibung darstellte zu Beginn – und dann ist SIE mir begegnet!

Meinen Lebensunterhalt verdiene ich durch die Entschädigung, die ich durch die Bürgergemeinde Solothurn erhalte; ich weiss mich dem Bürgerrat und dem Präsidenten der Bürgergemeinde verpflichtet, Rechenschaft abzulegen, über die Aufgaben welche ich hier übernommen habe und über das Geld welches durch meine Hände geht; ich verpflichte mich zu Transparenz und dem sauberen und korrekten Einhalten der Weisungen, die von der Bürgergemeinde ausgehen, betr. Einsiedelei und Klause.

Leben in der Kirche und für die Kirche

Die Einsiedelei ist ein Teil des Seelsorgeraumes von Solothurn und Rüttenen. Es werden hier Heilige Messen und Wortgottesdienste gefeiert; einen Teil der Stundengebete singe ich als „öffentliche Gebete zum Mithören“ in der Martinskapelle, damit Menschen durch den Gesang, die Psalmenworte, die Worte des Evangeliums und die Fürbitten berührt werden mögen, um gestärkt und mit Zuversicht und Hoffnung wieder in ihren Alltag zurückzugehen.
Ich bin mir bewusst, dass mein Leben von Brüchen und Umbrüchen geprägt ist; trotzdem hat Gott mich gerufen und berufen und ich bin Ihm zutiefst dankbar dafür. Dankbar bin ich ebenfalls der röm.-kath. Kirche und ihren Vertretern, dass sie mir Hilfe und Unterstützung in reichem Masse zukommen lassen und dass sie meine Charismen und meine Berufung zur Einsiedlerin schützen und bewahren. Ich lege mein Versprechen in die Hände des Weihbischofs Martin Gächter, als Vertreter des Bischofs, der katholischen Kirche und als Christ, Stellvertreter unseres Herrn Jesus Christus hier auf Erden.
Er möge meine Weisung und Regeln als Eremitin in der Einsiedelei St. Verena bestätigen.

Die Evangelischen Räte

Armut – ein schlichter und einfacher Lebensstil in Kleidung, Nahrung und Erholung.

Durch die finanzielle Einschränkung bedingt es auch, auf vieles an Bildung, Weiterbildung, Besuche von Konzerten, Theatern, Opern, Lesen vieler Bücher zu verzichten; das ist ein grosses Opfer für mich und bedeutet mir auch Armut.

Gehorsam – ein mündiger, mitdenkender Gehorsam im Sinne von Loyalität gegenüber der kirchlichen und weltlichen Obrigkeit. Ich weiss mich gerufen, ganz besonders für diese Menschen, dir mir „vorgesetzt“ sind, zu beten und ihnen so verbunden zu sein, und ihre Aufgaben in Kirche und Staat zu achten und zu respektieren und ihnen in Offenheit und Transparenz und ehrlicher Gesinnung gegenüberzutreten.

Keuschheit – die freie Wahl nunmehr ehelos zu leben und mit keinem andern Menschen sexuelle Kontakte zu pflegen; das macht mich frei, in grösserer Freiheit den Mitmenschen zu dienen, für sie da zu sein; Keuschheit beinhaltet aber auch, den anderen (und mich selber) in seiner Würde zu achten und ihm in Wort und Tat nicht zu nahe zu treten, seine Integrität und sein Geheimnis vor Gott zu wahren und zu respektieren. Ich versuche keine Macht und Kontrolle über andere Menschen zu haben, sie nicht zu manipulieren. Ich achte die Freiheit eines jeden Geschöpfes von unserem Schöpfer, inklusive der Meinen.

© 2017 Schwester Benedikta. Alle Rechte vorbehalten.